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Schamanen heute

Was ist ein Schamane?

Der Ursprung des Wortes stammt aus dem tungusischen und bedeutet soviel wie "der Wissende", in anderen Sprachen auch "derjenige, der sieht" oder "der mit dem Feuer arbeitet". Dies können Frauen und Männer sein. Die schamanische Arbeit ist die älteste Form der Spritualität, die sich auf allen Teilen der Erde entwickelt hat, lange bevor es eine technische Möglichkeit zur Kommunikation gab. Wahrscheinlich gibt es sie seit den Anfängen der Menschheit. Archäologische Funde auf der ganzen Welt zeigen gewisse Ähnlichkeiten. Es gibt mittlerweile eine Fülle an Informationen zum Thema auch im Internet, so daß ich nicht näher auf die historischen Wurzeln eingehen möchte. Ich biete Ihnen statt dessen hier meine Sicht auf Schamanen in heutiger Zeit.

Wenn es heute ein Bild von Schamanen gibt, dann meist als Medizinmann, als archaische Gestalt, die irgendwo in der Natur lebt. Als die Menschen noch ihr Leben in der Natur verbrachten war das auch stimmig, denn die Schamanen kannten sich mit den Gesetzen der Umwelt aus und konnten ihren Mitmenschen einen Weg zeigen, am besten mit dieser Umwelt zurechtzukommen. Die Umwelt wurde als das große Ganze angesehen und der Mensch als ein Teil dieses Ganzen.
Wenn sich die Umwelt verändert bleibt diese Haltung jedoch gleich. Auch heute würde sich ein Schamane als ein Teil des Ganzen sehen und Wege für sich und andere suchen, damit am besten zurecht zu kommen. Somit muß ein Schamane der heutigen Zeit kein Aussteigerdasein in den Randgebieten der Zivilisation führen sondern kann in der üblichen Umgebung leben und tätig sein. Auch wird er sich eher psychologischer Begriffe bedienen.

Die Esoterik-Welle hat Ausdrücke wie Schamanismus, Neo-Schamanismus oder Schamanistik hervorgebracht, diese haben jedoch meist damit zu tun, eine möglichst bunte Palette schamanischer Techniken aus verschiedenen Kulturen der ganzen Welt miteinander zu vermischen und diese dann zur Selbsterfahrung einzusetzen. Sie werden leider oft von Menschen verwendet, die gar nicht an Klarheit interessiert sind und sich mit Hilfe mystischer Begriffe oder exotischen Ritualen aus der Realität flüchten wollen. Auch gibt es eine Vielzahl von Lehrern oder Schulen, die behaupten, Menschen zu Schamanen ausbilden zu können. Zwar können verschiedene Techniken vermittelt werden, Schamane zu sein läßt sich aber nicht lernen, denn dies ist eine Entscheidung, die aus dem Inneren kommt und oft einen langen Weg der Auseinandersetzung mit sich selbst voraussetzt. Dabei geht es nicht darum, sich Wissen anzueignen sondern alles selbst zu erleben und zu leben.

Der Weg der Schamanen ist in erster Linie ein Weg der Erfahrung. Hier geht es nicht um Glauben, sondern er erfährt alles auf diesem Weg an sich selbst. Das führt dazu, daß alles in Frage gestellt wird, was man nicht selbst erfahren hat und alle Überzeugungen überprüft werden müssen. Also ein Weg, der erst einmal Angst machen kann und keinen Bereich des Lebens ausläßt.

Die größte Arbeit auf diesem Weg ist die Auseinandersetzung mit sich selbst. Dabei kann man von anderen Menschen begleitet werden, letztlich ist es aber immer eine Frage der inneren Bereitschaft, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Einen Menschen, der sich Schamane nennt, erkennt man daher am ehesten an seiner Wirkung und nicht an den Worten, mit denen er sich selbst beschreibt oder beschrieben wird.

Schamanen werden oft als Wandernde zwischen der sogenannten alltäglichen und einer nichtalltäglichen Wirklichkeit beschrieben. Dabei ist der alltägliche Teil der, den wir bewußt wahrnehmen und der nichtalltägliche Teil derjenige, der parallel existiert, aber nicht bewußt wahrgenommen wird. Wir haben alle eine Ahnung von diesem anderen Teil, in der heutigen Zeit hat sich jedoch eine Verdrängungskultur entwickelt, die ständig versucht, dieses Unbewußte nicht an die Oberfläche kommen zu lassen. Einen Schamanen interessiert aber gerade diese dunkle Seite besonders, da hier oft der Schlüssel zur Heilung oder zu den Dingen liegt, die für einen Menschen im Leben wichtig sind.

Um dies sehen zu können gibt es eine Trance-Technik, die sogenannte schamanische Reise. Dabei unterstützen sich Schamanen durch einen monotonen Rhythmus mit einer Trommel oder Rassel, (in anderen Ländern auch mit Gesang bzw. Didgeridoo), um in eine leichte Trance (oder auch in den Alpha-Zustand) zu kommen. In dieser Trance bleibt das Bewußtsein erhalten, sie können Fragen klar formulieren und erhalten Antworten und Lösungen in Form einer Bildsprache. Diese Bildsprache ist ein Zugang zum verborgenen Wissen, der Intuition, also der Wahrnehmung, die mehr sieht als der Verstand. Mit dieser Methode können sie Informationen aus tieferen Bewußtseinsschichten erhalten, so wie das auch in Träumen manchmal vorkommt. Ein Traum kann eine Nachricht des Unbewußten sein und wenn solche bildhaften Informationen bewußt herbeigeführt werden, können so Dinge an die Oberfläche gebracht werden, die mit dem Verstand nicht erreicht werden können. Es ist also der bewußt herbeigeführte Kontakt mit dem Unbewußten.

Eine weitere Methode ist die Arbeit mit Ritualen. Das hat nichts mit traditionellen oder vorgegebenen Abläufen zu tun - ein moderner Schamane wird, wenn dies gerade wichtig ist, ein Ritual aus den gegebenen Umständen finden. Dies können einfache Handlungen sein wie z.B. tägliche Waschungen, das Verbrennen von Gegenständen, mit denen belastende Erinnerungen verbunden sind oder auch komplexere Abfolgen.

Ein Schamane ist zum Dahintersehen berufen. Er hat die Gabe, sich nicht von der Fassade blenden zu lassen sondern den Kern zu erkennen. Dabei nimmt er mit allen Sinnen wahr und kann deshalb nicht getäuscht werden. Er ist eher ein Begleiter, der die Menschen zu sich selbst führt ohne sie dabei auf ihr Funktionieren zu beschränken, der ihnen zeigt, wo sie stehen und wo sie sich selbst im Weg stehen und somit ihr Potential behindern, der ihre Lebenslügen entlarvt und ihnen spiegelt, was sie nicht sehen wollen. Er ist ein Heiler im ganzheitlichen Sinn, kennt den Weg der Heilung und weiß dabei auch, daß der Klient den Weg selbst gehen muß. Oft führt diese Erkenntnis über das Erleben der eigenen Heilung von extremen Krankheiten oder psychischen Leiden.

Ein Schamane sollte die Fähigkeit besitzen, den eigenen Willen in den Hintergrund zu stellen. Die eigene Absicht muß klar sein, denn nur sie bestimmt die Konsequenz des Handelns. Die wichtigste Aufgabe, die er auf seinem Weg zu bewältigen hat, ist die Auseinandersetzung mit dem Ego. Ein gesunder Egoismus ist lebenswichtig, doch ist dies nur auf den Menschen selbst bezogen. Sobald für andere gearbeitet wird, muß dieser Egoismus in den Hintergrund treten. Der Mensch, für den etwas getan wird, bestimmt allein, wo es langgeht und hierbei hat der Wille des Schamanen nichts zu suchen. Diese Demut zu lernen ist wohl das schwierigste bei der Arbeit als Heiler, aber nur so kann der Einzigartigkeit des Menschen Raum gegeben werden und Heilung im ganzheitlichen Sinn stattfinden.

Letztlich geht es aber immer darum, diese Informationen im Leben anzuwenden und dafür braucht man Gefühl und Verstand. Ein Schamane sollte in der Lage sein, zwischen beiden eine Brücke zu bauen und das Ganze realisierbar zu machen. In heutiger Zeit ist dafür eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten und das ist wohl der größte Unterschied zu früheren Kulturen. Auch gibt es heute im Außen mehr Möglichkeiten, sich zu verirren, daher ist es besonders wichtig, geistig wach zu sein.

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